Schwangerschaft

Eine Schwangerschaft ist der Beginn von vielfältigen großen und kleinen Veränderungen. Durch die Hormonumstellung können Gefühle und Stimmungen außer Kontrolle geraten und körperliche Veränderungen wie Müdigkeit, Übelkeit und Erbrechen erlebt werden. Manchmal spüren Frauen schon recht früh ein Spannungsgefühl in der Brust oder ein Ziehen im Unterleib. Später ist der wachsende Bauch das deutlichste Zeichen: Hier kommt ein Baby.
Doch was genau passiert eigentlich im Mutterleib und wie wirkt sich Alkoholkonsum in der Schwangerschaft auf Embryo und Fötus aus?

Erstes Drittel der Schwangerschaft

In den ersten vier Wochen nach der Befruchtung nistet sich die Eizelle in der Gebärmutter ein. Schnell teilt sie sich in immer mehr neue Zellen. Ein Teil der Zellen entwickelt sich zum Embryo, ein anderer Teil spezialisiert sich auf ihre Versorgung: Der Mutterkuchen (Plazenta) beginnt sich zu entwickeln und verankert sich in der Gebärmutterschleimhaut. Durch Austausch mit dem mütterlichen Blut übernimmt die Plazenta bereits ab dem 11. Schwangerschaftstag die Versorgung des Kindes mit Sauerstoff und Nährstoffen.
Die Blutkreisläufe von Mutter und Embryo sind an den sogenannten Zotten nur noch durch eine dünne Zellschicht voneinander getrennt. Diese so genannte Plazentaschranke wirkt wie ein feines Sieb. Nährstoffe können passieren, Schadstoffe werden zurückgehalten. Alkohol kann diese Plazentaschranke problemlos passieren.

In der fünften bis achten Schwangerschaftswoche zeigt der Embryo bereits Anlagen von Herz und Rumpf. Der Kopf und das Gesicht formen sich. In den nächsten Wochen wird sich ein Gesicht mit kindlichen Zügen entwickeln. Weitere Zellen formen sich zu Skelett- und Lungenansätzen. Das Neuralrohr, die Vorstufe des zentralen Nervensystems, entsteht. Aus ihm entwickeln sich Gehirn und Rückenmark.

Ab der neunten bis 12. Schwangerschaftswoche ist das gesamte Organsystem in Grundzügen angelegt. Das Gehirn entwickelt sich gerade zu Anfang des dritten Monats rasant. Der Embryo kann jetzt bereits Arme und Beine bewegen. Je größer das Kind wird, desto höher wird sein Bedarf an Nährstoffen und Sauerstoff. Deshalb wächst die Plazenta in großen Schritten mit.
Ab der zehnten Schwangerschaftswoche, wenn die meisten Organe angelegt sind, wird der Embryo als Fötus bezeichnet.

Zweites  Drittel der Schwangerschaft

Ab der 13. Schwangerschaftswoche beginnt der Fötus sich zu drehen. Für die Mutter sind diese Bewegungen noch nicht spürbar. Das Baby wächst rasant. Das zentrale Nervensystem beginnt, die Steuerung für das Gleichgewicht und die Reflexe zu entwickeln. Ohren, Nase, Mund und Augen sind am richtigen Platz, das Ungeborene hat ein deutlich kindliches Gesicht. Die Sinne entwickeln sich. Das Baby beginnt Saugen und Greifen zu üben. Es kann seine kleinen Fäuste ballen, mit der Nabelschnur spielen oder am Daumen lutschen. Dieses Begreifen und erspüren der Umwelt ist wichtig für die weitere Entwicklung des Gehirns. Das Gehirn entwickelt sich mit unvermindertem Tempo weiter. Die beiden Schädelhälften sind nun schon fest genug um es zu schützen. Das Knorpelskelett des Kindes verfestigt sich. Die Organreifung schreitet weiter zügig voran: Die Verdauung funktioniert bereits, nur die Lunge ist noch nicht fertig entwickelt. Weil sie für das Leben im Mutterleib nicht gebraucht wird, reift sie erst kurz vor der zeitgerechten Geburt vollständig aus.

Letztes Drittel der Schwangerschaft

Ab der 29. Schwangerschaftswoche beginnt die Reifezeit. Das Baby legt weiter kräftig an Gewicht zu bis es zur Geburt durchschnittlich etwa 3400 g wiegt und rund 50 cm groß ist.
Das Gehirn und das Nervensystem entwickeln sich weiter. Das Baby trinkt täglich bis zu 3 Liter Fruchtwasser, die es auch wieder ausscheidet. Dieser Fruchtwasserkreislauf behindert den Abbau von Alkohol aus der Amnionhöhle. Im letzten Monat vor der Geburt gibt die Mutter ihrem Kind noch viele wichtige Antikörper mit auf den Weg, die es vor einigen Infektionskrankheiten schützen sollen. Dieser so genannte Nestschutz verliert sich jedoch im Laufe des ersten Lebensjahres. Im Fall einer Geburt wäre das Kind jetzt ohne größere Komplikationen überlebensfähig.
Alkoholkonsum während der Schwangerschaft kann in den einzelnen Entwicklungsphasen des Embryos und Feten zu unterschiedlichen Schädigungen führen. Besonders gefährdet sind das Gehirn und das Nervensystem – sie entwickeln sich über den gesamten Zeitraum einer Schwangerschaft,  eine Schädigung durch Alkohol ist jederzeit möglich.